„Craft-Bier aus Neuseeland – da geht’s vor allem um den Hopfen“, sagt Jan Dérer, Geschäftsführer bei Dérer Import in Berlin. Zweimal im Jahr bringt er einen Container mit frischen Ales aus Kiwi-Country nach Deutschland – Biere von in Europa noch unbekannten Namen wie Epic Beer, Liberty and Behemoth aus Auckland, Renaissance aus Marlborough Country sowie von Tuatara von der Kapiti Küste. Craft-Bier Importeur Dérer hat 2016 und 2017 den fernen Inselstaat selbst bereist und war sofort begeistert von den charaktervollen Bieren. Dem Hopfen sei Dank! Denn das neuseeländische grüne Gold gilt als besonders aromastark mit voller Bitterkraft.

Ich bin erstaunt, welche Überraschungen im grünen Gold der Neuseeländer stecken. „Nelson Sauvin“ ist wohl die bekannteste Hopfensorte des ozeanischen Inselstaates, die wir in Deutschland von Schneider Weisses „Tap X Nelson Sauvin“ oder Camba Bavarias „Camba Nelson“ her schätzen gelernt haben. Sie erinnert an Sauvignon-Blanc-Trauben und bringt weinartige Aromen von Stachelbeere, Kräutern und grünen Früchten ins Bier. Benannt ist sie nach dem neuseeländischen Hopfenanbaugebiet um die Stadt Nelson herum. Es liegt in der Mitte des Staates, der aus zwei Inseln besteht. Genauer gesagt, befindet sich das Hopfenanbaugebiet am nördlichen bergigen Ende der Südinsel Neuseelands.

Deutsche und englische Einwanderer begannen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts Hopfen in Neuseeland anzupflanzen. Die langen Tage, die günstige Witterung mit viel Sonne, genug Regen und Windstille machten die Gegend um Nelson zum bevorzugten Anbaugebiet. Die Insellage verhinderte das Eindringen von Krankheiten wie Mehltau oder Welke. Ideale Voraussetzungen. Neuseeländische Hopfenzüchter brauchten sich weder um Widerstandsfähigkeit noch Ertragsleistung ihrer Pflanzen kümmern. In aller Ruhe fokussierten sie auf positive Eigenschaften wie Aroma, Bitterwerte sowie auf den biologischen Anbau. So avancierte Neuseeland zum weltweit größten Bio-Hopfenproduzenten.

Kein Wunder auch, dass die ersten Dual-Purpose-Hopfen, die gleichermaßen beachtliche Bitterwerte und verführerische ätherische Öle liefern, in Neuseeland gezüchtet wurden – also etwa zeitgleich zur amerikanischen Berühmtheit  „Cascade“ (Zulassung 1972) und lange vor der Dual-Purpose-Welle mit Chinook (1985,) Centennial (1990) und Simcoe (2000),  Es waren die Neuzüchtungen „Dr. Rudi“, urspünglich „Super Alpha“ genannt (1976), „First Choice“ und „Smooth Cone“, die mit den genannten Eigenschaften Anfang der 70er Jahre die Hopfenzucht inspirierten. Neuen Anschwung bekommen die neuseeländischen Hopfenfarmer seit 2012 von dem halbstaatlichen Programm „Hops with a Difference“, das die Neuzüchtung geschmacksstarker Gewächse fördert – wie beispielsweise die Sorte „Motueka“, die an frisch zerstoßene Limetten und tropische Früchte erinnert. Oder „Riwaka“ mit kräftigem Grapefruit-Aroma und der vollen Power der Passionsfrucht – eine Sorte, die auf Grund der großen Nachfrage zur Zeit nicht für den Export angeboten wird.

Heute basieren 85 Prozent der Hopfenproduktion Neuseelands auf den landeseigenen Zuchtsorten. Die heimischen Craft-Brauer verwenden diese ebenso gern wie Brauereien in Übersee, insbesondere in den USA. So gehen 90 Prozent (!) der jährlichen Ernte in den Export. Okay, die Gesamterträge des Landes sind verhältnismäßig klein. Sie machen nur einen Prozent des Hopfenweltmarktes aus. Bis 2025 wollen die neuseeländischen Hopfenbauer ihre Produktion jedoch verdoppelt haben. Nachfrage ist vorhanden: 85 Prozent der Hopfendolden sind verkauft, bevor sie überhaupt geerntet werden. Der Erfolg beruht auf dem Terroir. Wie Brauer bestätigen, wachsen nirgendwo sonst auf der Welt Hopfen mit dieser Intensität an essentiellen Ölen und Alphasäure. Dank des Klimas und der Nähe zum Meer  wartet die in Kiwi-Country angebaute Sorte „Cascade“ mit einem ganz anderen Aromenprofil auf als das Original aus den USA, weshalb die Neuseeländer ihr Cascade nun „Taiheke“ nennen. Sie wollen bei ihren Kunden eben keine falsche Erwartungen wecken.

Jan Dérer hat die neuseeländischen Biere vor Ort genossen, sich aber nicht allein von den hopfigen Bierstilen überzeugt. „Ich will kein Sortiment aufbauen, das nur India Pale Ales repräsentiert. Mich fasziniert Vielfalt“, betont Jan Dérer. Mit rund 100 verschiedenen Bieren von 7 Brauereien aus den USA und 28 Bieren von 5 Brauereien aus Neuseeland gehört Dérer – gemessen an der Sortimentsbreite – zu den europaweit größten Importeuren von Bieren aus Übersee. Das Berliner Importhaus behandelt die weitgereiste Ware achtsam: Alle Übersee-Importe erreichen in geschlossener Kühlkette das Lager, wo eine auf 6 °C gekühlte Zelle die Ware aufnimmt. Ein kostenintensiver Extra-Aufwand, der für die Geschmacksstabilität von höchster Bedeutung ist. Wie Jan Dérer verrät, ist der jüngste Container aus Neuseeland nicht randvoll, denn er plant, im Frühjahr 2019 eine neue Lieferung nachkommen zu lassen. So kann er den Markt mit stets frischer Ware versorgen. Auch dies gehört zu den wertvollen Qualitätsmaßnahmen des Berliners, der die Biere direkt am anderen Ende der Welt einkauft und nicht über Zwischenhändler bezieht.

Der deutsche Markt für Biere aus Kiwi-Country ist noch winzig und erfordert Pionierarbeit. „In Deutschland sind es meist ausgewiesene Craft-Bier-Fans, die sich für neuseeländische Biere interessieren“, so Jan Dérer. Sie würden nicht so stark verlangt, wie amerikanische Marken, aber eine Nachfrage etabliere sich gerade. Dérer weiter: „Die Bier-Shops kaufen neuseeländisches Bier bei uns, damit sie Ware aus Ozeanien anbieten können. Das war bisher eine Lücke im Sortiment.“ Glücklicherweise – und dies ist ein Vorteil gegenüber amerikanischen Brauereien – seien die Neuseeländer gern bereit, den Markenaufbau in Übersee zu unterstützen.

Dieser Bereitschaft hat es auch „Sylvia’s Saloon“ zu verdanken: Die nächste Online Master Class für Profis widmet sich ganz dem Thema „Neuseeland“. So erhalten Saloon-Gäste einen Rabatt für ihren Wareneinkauf bei Dérer: Teilnehmer bekommen einen Preisnachlass von 5 Prozent auf das gesamte Neuseeland-Sortiment – mitmachen lohnt sich also!

Das Bier-Line-Up für die „Online Master Class für Profis“ am 10. September kann sich sehen lassen:

  • Fellowship, Neuseeland Pale Ale, 4,0 Vol.-% und Cherry Drop, Frucht-Sauerbier, 4,0 Vol.-% von Renaissance
  • Sauvinova, Single Hop Pale Ale, 4,7 Vol.-% von Tuatara
  • Der Klassiker Armageddon, India Pale Ale, 6,66 Vol.-% von Epic Beers
  • Tasty Beverage, gewürztes Pale Ale, 5 Vol.-% von Behemoth
  • Citra, Imperial India Pale Ale, 9 Vol.-% von Liberty
  • Dry Hopped Cider, 5,4 Vol,-% von Zeffer

Weitere Infos, Teilnahmegebühr und die Anmeldung zu „Sylvia’s Saloon – Online Master Class für Profis“ findest Du hier. Ich freu mich, wenn wir uns am 10. September sehen.