Das Brauhandwerk gilt als Männersache. Das war nicht immer so. Im frühen Mittelalter war Brauen fest in der Hand der Frauen. Nicht nur als eine von vielen Haushaltspflichten – „heute back’ ich, morgen brau’ ich“. Frauen betrieben gemeinsam kommunale Brauhäuser. Das Arbeitsgerät war ihr Eigentum, Töchter wohlhabender Familien brachten einen Sudkessel mit in die Ehe. Freundinnen trafen sich zum Bierkränzchen und tauschten Braurezepte aus. Sie spuckten ins Bier und gaben Honig bei, um den Alkoholgehalt zu steigern. Doch in den Städten wurde aus der Tätigkeit allmählich ein Handwerk, mit festen Gilde- und Ausbildungsstatuten, in denen Frauen nicht existierten. Und auch die Klöster erkannten, dass man mit Bier Geld verdienen kann. Malzschaufel und Maischscheid waren bald überwiegend in männlicher Hand. Doch erst die Industrialisierung im 19. Jahrhundert machte das häusliche Brauen unwirtschaftlich und die Bierproduktion vollends zur Männersache.

Es ist ja nicht wie auf dem Bau, wo man Zement, Kies und Wasser mischt. Beim Brauen geht es ums Detail: Der achtsame Umgang mit  Malz, Wasser, Hopfen und Hefe und genaues Arbeiten sind gefordert. Das können Frauen und Männer gleichermaßen. Glücklicherweise stellen sich immer mehr Frauen an Maischbottich und Sudkessel. Wie zum Beispiel in Berlin-Wedding Ulrike Genz, die für ihre Marke „Schneeeule“ ganz hervorragende Berliner Weiße und andere Sauerbiere braut.