Bjarne Mark Hoier ist der Gründer und Besitzer von One Pint Deutschland. Der Importeur mit Sitz in Handewitt an der dänsichen Grenze vertreibt rund 200 Biere aus 10 Ländern in Deutschland. Ich sprach mit dem Jungunternehmer über seine dänischen Wurzeln, Qualitätssicherung und seine Werte.

Sylvia: Hallo Bjarne, viele Profis in der Bierbranche haben ein besonders Verhältnis zum Bier. Was hat Dich in den Bierhandel verschlagen?

Bjarne: 2003 habe ich in meiner Heimat Dänemark den Importeur und Händler Henrik Kierkegaard kennengelernt. Er hat mir Sierra Nevada Pale Ale und Fullers London Pride präsentiert. Seitdem bin ich von Craft-Bier begeistert. 2011 habe ich die ersten Fullers und Sierra Biere selbst nach Deutschland gebracht. Damals haben alle sehr merkwürdig auf diese „komischen ausländischen Biere“ reagiert. Im restlichen Europa habe ich glücklicherweise gesehen, welches Potential Craft-Bier hat und wie es Menschen begeistert. So war ich mir sicher, dass kommt auch nach Deutschland.

Sylvia: 2014 hast Du One Pint Deutschland gegründet. Das Unternehmen hat seinen Ursprung in One Pint Dänemark. Was bedeutet das genau? Wie hängen beide zusammen?

Bjarne: One Pint DK existiert seit 2003 und gehört Henrik Kerkegaard, One Pint Deutschland gehört mir. Ich habe meinen ehemaligen Job im Lebensmittelimport gekündigt, und wusste nicht, was ich machen sollte. One Pint hatte ich bis dato mit großem Interesse verfolgt, fand das Unternehmen spannend, war schon damals überzeugt von den Produkten, den Produzenten, dem „Elan“ und von Henrik als Mensch. Dann habe ich mit ihm gesprochen und für mich hat sich die tolle Möglichkeit ergeben, One Pint Deutschland zu gründen. Da ich aus dem Lebensmittelvertrieb komme, wusste ich ein bisschen, wie es geht und wie man ein Unternehmen aufbauen kann mit Mitarbeitern, Sales-Team, Lager, Logistik, Marketing.

Sylvia: Auf Eurer Website beschreibst Du Dich als „Salesman East & West“. Typisch dänisches Understatement? Du bist doch der Geschäftsführer, oder?

Bjarne: Nein, wie in allen guten Ehen ist meine Frau der Geschäftsführer… Jörn Stoll und Nils Christen haben Salesman-Aufgaben übernommen. So ist mein Job eher Mädchen für alles. Da, wo ich gebraucht werde, helfe ich, ob das beim Etikettieren, Packen, Fegen oder Verkaufen ist. Generell mag ich nicht so gerne diese Titel. Ob das typisch Dänisch ist, weiß ich nicht, aber das ist typisch Bjarne. Wir bei One Pint haben jeden Tag eine Menge Aufgaben zu lösen. Da helfen helfen alle so gut wie möglich. Der einzige Unterschied: Wenn ein Konflikt oder Uneinigkeit auftaucht, was ganz selten passiert, greife ich ein.

Sylvia: Du arbeitest eng mit Hendrik Kierkegaard zusammen. Was gibt Dir die Zusammenarbeit mit dem One-Pint-Dänemark-Chef?

Bjarne: Viel Arbeit und viele Probleme (lacht), nein… Henrik ist ein sehr guter und erfahrener Kollege. Ich lerne jeden Tag viel von ihm. Wir ergänzen uns gegenseitig sehr gut, da wir beide sehr unterschiedliche Personen und Typen sind. Er hat ein großes Netztwerk weltweit und kennt jeden in der Craft-Bierszene. Davon profitiere ich sehr.

Sylvia: Im Bier-Business sprudeln die Quellen, der Absatzmarkt darf sich jedoch gern weiter entwickeln – vor allem in Deutschland. Wie schätzt Du die Marktsituation für Craft- und Spezialitätenbiere ein?

Bjarne: Der Craft-Bierabsatz in Deutschland ist noch sehr niedrig im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn. Die Länder um Deutschland herum sind alle viel weiter entwickelt. Das hat natürlich viele Gründe, unter anderem dass Deutschland eine sehr gute und starke Biertradition hat. Nichtsdestotrotz entwickelt sich der Craft-Biermarkt hier tagtäglich in die richtige Richtung. Ich merke sehr große Begeisterung überall. Es geht nicht so schnell, wie ich und viele in der Branche gehofft haben. Wenn ich mir Dänemark, England, Schweden oder die ost-europäischen Staaten anschaue, läuft es dort deutlich rasanter. Craft-Bier in Deutschland kommt! Nur langsamer.

Sylvia: Da ist der Handel ebenso gefordert wie die Brauer. Was unternimmt die One Pint GmbH, um den „neuen“ Biermarkt weiterzuentwickeln?

Bjarne: Wir sind weltweit unterwegs, sammeln Informationen und lernen jeden tag Neues, was wir dem deutschen Markt anbieten können. Wir beobachten in Dänemark, was gefragt ist und wo die Entwicklung hingeht und versuchen, das in Deutschland zu vermitteln und umzusetzen. Zudem bieten wir jede Menge Schulungen und Tastings an. Es liegt noch viel Aufklärungsarbeit vor uns allen. Von daher arbeiten wir natürlich auch sehr gern mit „Sylvia’s Saloon – Online Master Class für Profis“ zusammen. Wir verfolgen deinen Weg seit Anbeginn und wünschen uns, dass es mehr solche engagierten Menschen beim Thema Craft-Bier gibt.

Sylvia: Danke für die Anerkennung. Gerade bei Craft-Bier ist Qualität super wichtig, um den höheren Preis zu rechtfertigen und die Nachfrage zu steigern statt zu enttäuschen. Was unternimmt die One Pint GmbH in der Qualitätssicherung?

Bjarne: Absolut richtig. Wir investieren viel in Qualitätssicherung: Alles, was wir aus Übersee, also den USA, importieren, kommt in Kühlcontainern, damit die Biere kühl und geschmacklich stabil bleiben. In Dänemark haben wir ein 600 Quadratmeter großes Kühlhaus, in dem die Ware gekühlt lagert. In Deutschland bin ich gerade dabei, ein Kühlhaus zu errichten. Allerdings aufgrund der konstanten Temperatur in unserem Lager und der – dank One Pint Dänemark – recht schnellen Rotation der Biere, ist der Bedarf für ein Kühllager nicht so akut. Wir holen mehr als einmal wöchentlich Biere aus Dänemark, die wir unmittelbar ausliefern.

Sylvia: Gleichzeitig gibt es immer mehr, die importieren und mit Bier handeln: Blogger, Sommeliers, Enthusiasten, Expatriats, ja selbst Brauer tummeln sich im Handel. Das ist fast so ähnlich, wie beim Bierbrauen selbst. Alle machen alles. In diesem Chaos ist es wichtig, zu wissen, wofür man steht.

Bjarne: One Pint wird oft gefragt: Wollt ihr nicht ins direkte Online-Geschäft einsteigen, warum verkauft ihr nicht an Konsumenten, warum betreibt ihr nicht selber eine Bar oder einen eigenen Laden, habt ihr überlegt, selber zu brauen oder Anteile an einer Brauerei zu kaufen oder oder oder……. Meine Antwort ist immer die gleiche: Nein. One Pint importiert, vertreibt und baut Marken auf. Das ist unser Geschäft. Unsere einzige und wichtigste Aufgabe ist: Der bestmögliche Partner für unsere Brauereien zu sein. Nichts anderes. Wir stehen für Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Partnerschaft und Qualität. Ein Wort ist bei uns ein Wort, und wir halten, was wir versprechen. In unserer schnelllebigen Zeit gilt das leider nicht überall so wie bei uns.

Sylvia: Danke, Bjarne, für das Gespräch.